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Bernd 1

Fortführung von Bernds Krebserkrankung:

In den folgenden 3 Tagen wurde ich total auf den Kopf gestellt es wurden alle erdenklichen Untersuchungen durchgeführt. Dann am Freitag war es soweit (ich weiß garnicht wie ich mein Gefühl wirklich beschreiben soll) 3 Ärtzte nahmen mich bei Seite und sagten wir gehen jetzt mal in dieses Zimmer und müssen uns mal unterhalten. Mit gesenktem Kopf vernahm ich die Worte: "Sie haben ein Ösophagos Karzinom"...


Da ich nicht wusste was das heißt sagte ich zu einem der Ärtzte er möge das doch bitte mal in meiner Sprache sagen. Das tat er auch. Sie haben Speiseröhrenkrebs im Endstadium. So das wars dachte ich. Mein Gefühl war wie von einem Hammer erschlagen zu werden weil ich weder Schmerzen noch Schluckbeschwerden hatte. Dann rief ich meine Fau an und erzählte ihr die Diagnose sie weinte. Jetzt wollte ich nur noch nach Hause. Der Arzt sagte das geht offiziell nicht aus Versicherungtechnischen Gründen. Ich fahre nach Hause ohne wenn und aber erwiederte ich. Darauf der Artzt (ein guter Mensch) sagen sie bitte der Oberschwester sie sind im Park. Das bedeutet soviel wie der Patient geht am Wochenende nach Hause also Essen abbestellen aber alles inoffiziell. Das Wochenende war beschissen wir verbrachten die beiden Tage damit, dass ich mit meiner Frau durch das ganze Haus zog und ich ihr alles erklärte was technisch wichtig ist weil ich mir sicher war nicht wieder zu kommen. Es war ziemlich viel was da zusammen kommt.

Abbildung: Licht am Horizont -


Montag früh Visite. Der Artzt fragte mich ob ich einen guten Chirurgen kenne was ich verneinte. Früher habe ich einmal mit einem guten Bauchchirurgen zusammen gearbeitet sagte er den werde ich frage ob er sich ihrer annimmt. Er tat es. Am Dienstag wurde ich nach Berlin ins SANA Klinikum gebracht. Alle Untersuchungen noch einmal mit dem gleichen Ergebnis. Am Freitag sollte es sein. Ich war am Ende hatte mich eigentlich vom Leben verabschiedet. Der Prof. sagte er wisse noch nicht was er mache er muß erst alles von innen sehen. Irgendwann erwachte ich und merkte das ich noch lebe aber wie. Mein Körper war überseht von Kabeln Schläuchen und anderen Drähten und um mich herum viele Maschinen die alle andere Geräusche von sich gaben und mich am Leben erhielten. Das war dann die Intensivstation.
Irgendwann bemerkte ich das jemand meine Hand streichelte. Es war meine Frau. Sie ist mit dem Auto durch Berlin gefahren obwohl sie weder gerne Auto fährt noch in der Stadt. Das war für mich ein wunderbares Gefühl. In so einem Moment merkt man wie wichtig ein guter Partner ist.


Nach Tagen erzählte mir der Prof. das er einen riesigen Tumor aus meiner Brust entfernt hatte und den Magen der noch gut war an den Rest der Speiseröhre angenäht habe. Wenn ich heute meine Narbe sehe die vom Bauchnabel aufwärtz bis zum Brustbein geht und dann rechts herum um die Brust bis hinter den Linken Arm weiß ich was der Prof. für eine Meisterleistung vollbracht hat. Keine Narbe auf der Brust und keine Knochen beschädigt alles unter Putz. Im nachhinein habe ich mich mit der Person des Prof. Dr. med. habil. Klaus Gellert auseinander gesetzt. Das Internet machts möglich. Er ist ein hervorragender internationaler Bauchchirurg. Als er mir dann noch mitteilte das ich keine Metastasen hatte aber das er vorsoglich 7 Lymphknoten entfernt habe begann ich zu hoffen. Die Narbe heilte gut so das ich nach einem Dichtheits Test bald entlassen wurde. Mein Zustand war aber nicht wirklich ein Zustand da ich absolut auf totale Hilfe angewiesen war. Meine Frau sagte ihren ein Jahr lang geplanten Neuseeland Urlaub ab und pflegte mich erst einmal. Ohne sie wäre ich hilflos gewesen.


Ab jetzt begann der Prozess des lernens. Durch diese veränderte Anatomie ist einfach alles anders. Für eine Weißbrotstulle ohne Rinde benötigte ich eine halbe Stunde und hatte Mühe mein Trinkpensum zu schaffen. Die ersten Wochen schlief ich auf einem Fernsehsessel den ich mir auslieh. Da ja der Magenschließmuskel fehlt und der Magen gleich unterm Hals anfängt ist das ja ein offenes Gefäß. Wenn man es umkippt ist es im nu lehr. Alles musste ich neu lernen und niemand sagte mir was alles anders ist. Beim essen muß ich zB. immer das aufstoßen provozieren damit der Nahrungsbrei weiter rutscht denn es fehlt ja die Peristaltik der Speiseröhre. Oft werde ich heute in der Öffenlichkeit deshalb blöd angeguckt aber es geht ebend nicht anders.


Dann folgte das ganze Programm 5 Monate Chemotherapie, 25 Bestrahlungen unter dem Linearbeschleunigeg und zwischendurch 3 Wochen Krebsnachsorge Kur. Schon im April bemerkte ich eine kleine Beule im Bauch die mittlerweile so groß ist wie ein Kopf und nach vorne aus tritt. Es ist ein riesiger Narbenbruch weshalb ich jetzt eine Binde trage. Zum Bauchaufschneiden habe ich genug zumal ich erfahren habe das die Dinger gerne wiederkommen also lebe ich damit. Es ging mir aber alles in allem immer besser es gab nie einen Rückschritt. Natürlich aus dem Kopf geht das bis heute nicht raus es ist immer ein komisches warten auf das Ergebnis der nächsten Nachuntersuchung.

Abbildung: Dem Leben wiedergegeben -

Mein Zustand ist befriedigend den Umständen entsprechend und meinen alten Zustand werde ich nie wieder erreichen. Es sind mir keine größeren Anstrengungen mehr möglich dann komme ich mit der Luft nicht mehr hinterher. Das liegt zu Teil auch daran das vor einem halben Jahr noch an Bronchialasthma erkrankt bin. Außerdem jagt mich die Unterzuckerung die seit der Chemotherapie in unregelmäßigen Abständen unverhofft auftritt. Am Anfang war das ein Fall für die Notaufnahme aber jetzt bekomme ich das selber hin. In jeder Tasche in jeder Jacke habe ich Dextrose bei mir.


Warum schreibe ich das. Ich habe diese Homepage in einer Zeitschrift entdeckt und mich mit Frau Sonnenschein unterhalten. Im Krebs Kompass Forum habe ich auch schon Beiträge veröffentlicht. Mein Ziel ist es auf diesem Wege allen Menschen Mut zu machen die eine schwehre oder chronische Krankheit haben. Es hat keinen Sinn sich zu verkriechen es kommt so wie es kommen soll. Mit Humor lässt sich alles leichter ertragen. Heute kann ich sagen, dass ich meinen Humor noch nicht verloren habe und viele meiner Bekannten staunen darüber." ####

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