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Fortsetzung von der Geschichte von Claudia*

Fortsetzung der Geschichte von Claudia*


Claudia* nimmt die Welt nun einmal anders wahr als sie. Ihre Seele ist farbenblind und lässt sie nur Schwarz oder Weiß erkennen. Was dazwischen ist, kann sie nur erahnen, erraten und sich in der Fantasie zusammenspinnen. Manchmal erspinnt sie sich dabei zufällig die Realität.

Gelingt ihr das nicht, ist sie ertappt und steht sofort wieder im Abseits, ist die, die so komisch ist, die, über die man hinter ihrem Rücken tuschelt oder lacht und mit der man so wenig wie möglich zu tun haben will. Aber das ist sie gewohnt; schließlich lehnt ihre eigene Familie sie ab, seit sie auf der Welt ist, weil der Klapperstorch das eigentlich bestellte Kind mit Claudia vertauscht hat und sich hinterher standhaft weigerte, eine Reklamation entgegen zu nehmen.


Doch jeder Mensch hat eine Grenze dessen, was er ertragen kann, und als Claudia an ihre Grenze stößt, stürzt sie ab ins Nichts. Zu viele Schicksalsschläge beuteln sie innerhalb weniger Monate, die ihre Seele nicht mehr verkraften kann. Sie fällt in ein eiskaltes, finsteres Loch, wo sie ganz allein ist mit dem Schmerz und der Angst. Mit beiden Beinen fest in der Mitte von Nirgendwo, ohne Orientierung, ist das Licht so unerreichbar weit entfernt, dass es kaum zu erkennen ist. Sie sollte verzweifelt sein, aber dazu reicht ihre Kraft nicht mehr. Die ist ebenso verschwunden wie ihr Ich. Ja, sie weiß nicht einmal mehr, wer sie ist. Sie schaut in den Spiegel und sieht dort eine Fremde.


Wer bin ich?,
frage ich mein Spiegelbild
mit dem fremden Gesicht.
Die Antwort ist Schweigen.
Und aus dem Spiegel heraus
fällt eine Maske
und zerschellt am Boden.


Ihr Arzt weist sie in eine psychiatrische Klinik ein, in jenes Jenseits, in dem Menschen wie sie verborgen werden vor den Augen der Welt. Jetzt ist sie eine von den „Verrückten“, die man im „Irrenhaus“ einsperrt. Aber ist nicht die ganze Welt verrückt? Nein, sie selbst ist es. Sie ist VER-rückt – nicht an dem Platz, an dem sie sein sollte. Sein will.Die Familie wendet sich vollständig von ihr ab.
Die Freunde verschwinden im Nebel des Vergessens auf Nimmerwiedersehen.


 

Bild "Into the light"


Sie bekommt keinen Besuch, keine Anrufe, keine Briefe. Für „ihre“ Menschen existiert sie offenbar nicht mehr. Sie haben recht. Sie ist ein Zombie, denn ihre Seele fühlt sich an wie tot, und ihr Körper lebt im Dazwischen, an jenem grausamen Ort jenseits des Lebens und des Todes. Doch der Eispanzer, in dem sie gefangen ist, betäubt gnädig den Schmerz. Narben an ihren Armen zeugen davon, wie gut die Vereisung wirkte, denn sie hat die Schnitte nicht gespürt. Nur das fließende Blut zeigte, dass sie noch am Leben sein muss, denn Tote bluten nicht.


Endlich erfährt sie die Diagnose: Borderline-Krankheit. KRANK-heit. Sie verspürt ungeheure Erleichterung. Sie ist nicht wahnsinnig, nicht irre. Das, was ihr Leben zur Hölle gemacht hat, solange sie sich zurückerinnern kann, was sie ins Abseits drängte und ihre Welt nur Schwarz und Weiß mit nichts dazwischen erscheinen ließ, ist eine Krankheit.
Aber Krankheiten kann man heilen!


Sie stürzt sich in die Heilungsarbeit. Sie will gesund werden um (fast) jeden Preis! Doch Heilen tut weh, unglaublich weh, und zunächst wird es schlimmer, bevor es besser werden kann. Sie tastet sich Stück für Stück an die Ursachen heran und entdeckt Furchtbares. Schmerz, Trauer, Wut, Angst und Verzweiflung überrollen sie in mächtigen Wellen, die sie verschlingen, sie zerreißen, verstreuen und in den Boden stampfen. Sie löst sich auf, bis nur noch Bruchstücke von ihr übrig sind. Sie ist Viele, und keines dieser Vielen ist sie.


Wie eine Ruferin in der Wüste irrt sie umher auf der Suche nach sich selbst. Sie leidet Hunger und Durst, fällt erschöpft zu Boden, kämpft sich wieder hoch und geht weiter. Immer weiter. Wie oft sie auch fällt, sie steht wieder auf, denn sie hat ein Ziel: Heilung. Nichts in der Welt wird sie davon abbringen. Nur der Tod. Aber ihre Zeit, die „Schwarze Dame“ zu umarmen, ist noch nicht gekommen.


Schließlich fügen sich am Ende des Weges ihre verstreuten Einzelteile wie ein Puzzle zusammen, und sie begegnet endlich sich selbst. Findet SICH und stellt fest: Sie mag die Frau, die ihr jetzt aus dem Spiegel entgegenblickt, der ihr nun die Antwort nicht mehr schuldig bleibt oder sie mit Masken verhöhnt.

 

Bild "Durchbruch"


Doch vieles ist dabei auf der Strecke geblieben. Ihre Familie hat den Kontakt zu ihr vollständig abgebrochen. Eine Verwandte, die in der „Klapse“ saß, ist etwas, das man diskret verschweigt und verleugnet, auch ohne dass wie in der Bibel ein Hahn dazu dreimal krähen muss. Ihre Freunde von damals haben sich nie wieder gemeldet. Und natürlich hat sie auch ihre Arbeit verloren, als sie in der Klinik war.


Doch sie kann sich trotzdem nicht beklagen, denn sie hat auch vieles gewonnen, nicht zuletzt sich selbst und ihre Mitte, aus der ihre Kraft entspringt, von der sie nicht einmal geahnt hat, dass sie in ihr schlummern könnte. Borderline hat ihr zudem eine wertvolle Gabe geschenkt: Fantasie. Sie schreibt, sie malt, sie komponiert. Ihre Bilder haben die Farben, die ihre Seele lange Zeit nicht sehen konnte. Und am Ende ihrer Heilungszeit hat Claudia diese Gabe sogar zu ihrem Beruf gemacht und ist Künstlerin geworden.


Kontakt zu Menschen verträgt sie immer noch nicht gut, aber sie kann ihn jetzt ohne Probleme in einem für gesunde Menschen normalen Maß aushalten. Sie ist geheilt. Zwar sagen ihre Therapeuten, dass eine Schädigung zurückgeblieben ist, die sich nie mehr heilen lässt; sie gilt deshalb offiziell als psychisch behindert. Na und?!!! Sie fühlt sich so gesund und wohl, wie nie zuvor in ihrem Leben und ist sogar rundherum glücklich, zufrieden und in das Leben verliebt. Sie hat den Kampf gegen Borderline gewonnen und ihrer Seele die Farben zurückgegeben. Ihre Sicht auf die Dinge ist nicht mehr nur schwarz oder weiß, sondern beinhaltet alle Farben des Regenbogens.

Und wie viele Farben stecken doch gleich im Grau?" ###




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