... SPORT UND BEWEGUNG

Die Wirkung von Sport und Bewegung

Die Bewegung erhält die körperliche und auch geistige Kraft. Sie trägt dazu bei, den eigenen Körper besser wahrzunehmen, einen besseren Zugang zu den eigenen Gefühlen zu bekommen und kann wesentlicher Bestandteil zur Gesundung sein. Diese Erkenntnis ist Grundlage vieler erfolgreicher Therapien.





Marinas Geschichte: Mit dem Fahrrad über die Alpen

Marina* (Name geändert) hat sich nicht abschrecken lassen durch ihre Diagnose MS und mit dem Sport einen guten Weg gefunden, sich der Krankheit zu stellen. Mit Erfolg! Sie ist tatsächlich mit dem Fahrrad über die Alpen gefahren und das trotz der MS. Der Sport hält sie fit, sagt Sie, und rät jedem, sich zu bewegen. Aber lesen Sie selbst:


47 Jahre war ich gesund und sportlich

"Für MS gab es in meinem früheren Leben nie auch nur ein kleines Anzeichen – 47 Jahre lang war ich gesund, darüber freue ich mich heute rückblickend an Tagen, an denen es mir nicht so gut geht. Ich habe immer viel Sport gemacht, vorwiegend Laufen (bis zum Marathon 2001), Fahrradfahren und Skifahren im Winter.


Februar 2005 hatte ich den 1. MS-Schub, aber ich wusste nicht, dass es MS ist. Ich konnte nicht einordnen, was da passiert in meinem Körper. Ich wusste aber ziemlich schnell, dass ich 1. daran nicht sterbe und 2. dieses „irgendwas“ nie mehr ganz loskriegen werde – ich fühlte es einfach. Ich dachte immer, Ärzte wissen alles – aber ich sah in ihre Gesichter und erkannte Fragezeichen. Sie sagten, MS ist es nicht und schickten mich in die Reha. Ich schlich hinaus ins Leben und war körperlich so weit unten im Keller – und ich konnte das alles immer noch nicht realisieren.


Endlich wieder 10-km-Läufe

Die Reha brachte sehr, sehr viel – so nach und nach krabbelte ich mit viel Selbstdisziplin wieder aus dem Keller nach oben. Was hat mir in dieser Zeit am meisten geholfen? Bewegung und Sport! Ich hatte anfangs starke motorische Einschränkungen, aber ich konnte ja laufen – und ich bewegte mich. Im Krankenhaus schon war ich täglich draußen unterwegs, es war saukalt und tiefer Winter – aber es hat mir soviel gegeben, raus, bewegen, gehen, frische Luft. In der Reha genauso, täglich war ich in der Natur unterwegs, mein einziges Ziel war wieder 10-km-Läufe und mehr zu machen.


Warum ich? Ich treibe doch Sport!

Aber ich musste auch verstehen, dass junge, sportliche, schlanke, ausdauernde Menschen auch plötzlich krank werden können, das habe ich so nie gewusst. Gerade dann ist es sauschwer, sich das zu erklären und zu verstehen – „Ich? Ich treibe doch Sport und ernähre mich gesund, ich werde nicht krank!“ – Ja, Pustekuchen. Aber es wurde alles besser, nur es ging sehr, sehr langsam und es bildete sich auch nicht alles zurück – trotzdem saß ich schon im Sommer 2005 wieder auf meinem geliebten Trekking-Rennrad und wir machten Tagestouren von 60 – 80 km, auf dem Fahrrad ging es mir am besten und meine Kondition kam wieder.


Mit dem Fahrrad von München nach Verona

2006 wurde ein Traum Realität: Wir fuhren mit dem Fahrrad von München nach Verona – das absolute Highlight unserer Fahrradtouren! 630 km insgesamt mit einigen Umwegen, wunderschöne Strecke auf Nebenstraßen und natürlich viele Höhenmeter. Jeder mit ca. 11 kg Gepäck am Fahrrad fuhren wir von der Haustüre in München los und erreichten am 3. Tag den Brennerpass. Mein erster Alpenpass – die letzten drei Kilometer steil bergauf waren anstrengend, aber die Erwartung ist so groß und oben die Freude, es geschafft zu haben! Belohnt wurden wir durch lange Strecken wieder bergab. Es ging weiter den Gardasee entlang und nach acht herrlichen Tagen erreichten wir Verona. Ich war so froh, dass ich das alles machen und erleben konnte und spürte einfach, dass es meiner Gesundheit nur gut tun kann.


Die Diagnose

Es dauerte noch zwei Jahre bis Mai 2008 bis zum 2. Schub. 1. Abhilfe mit Cortison gab es schnell, jetzt wusste ich ja sofort an den Symptomen, was hier passierte. Dann der Hammer, es ist doch MS – von zwei Professoren wurde mir die Diagnose bestätigt. Klar ging es mir schlecht, aber darüber will ich hier nicht schreiben – irgendwie ging das Leben tatsächlich auch dieses Mal weiter. Egal, was war – ich war froh, dass die Ärzte 2005 gesagt hatten, es wäre nicht MS – ich weiß nicht ob ich mir die Tour 2006 über die Alpen sonst zugetraut hätte. Nach dem seelischen Tief die Erkenntnis, so weiterzumachen wie bisher – d.h. ich saß wenige Wochen später wieder auf dem Fahrrad, denn die Tour war bereits lange geplant. Unsere Tour führte uns dieses Mal vom Bodensee bis zum Königssee. Die ersten beiden Tage waren sehr schwer, aber auch dieses Mal merkte ich bald positive Effekte – die Glücksmomente gaben mir Kraft für die vielen Kilometer und es war wieder nur sehr, sehr schön.


Leider musste ich das Laufen beenden...

Leider musste ich jetzt mein anderes Hobby, das Laufen, beenden. 15 km waren einfach nicht mehr drin, ich wurde auch auf kürzeren Strecken immer langsamer und es war einfach nur anstrengend. Ich musste mich überwinden, mich auf die Laufstrecke zu begeben und es machte keinen Spaß mehr. Das war hart, denn ich vermisse auch heute noch die stillen Morgenläufe im Nymphenburger Schlosspark, wenn ich so ganz bei mir war und alleine mit der Natur und über vieles einfach so neben dem Laufen nachdenken konnte. Aber es ging nicht mehr, denn ich musste mich jetzt voll aufs Laufen konzentrieren und die Leichtigkeit war dahin.


Bewegung und frische Luft

Zurück zum Thema Bewegung und frische Luft: Ich entdeckte Nordic Walking, eine zwar schlechte Alternative zu meinen Lauferlebnissen, aber eine gute Alternative für den Körper und die Gesundheit. Mein „Walking-Radius“ ist noch sehr groß und solange es geht, werde ich meine Walkingstrecken möglichst regelmäßig gehen. Schlecht geht es mir, wenn ich daran denke, wie lang und schön meine Laufstrecken früher waren – aber gleich geht es mir wieder gut, wenn ich daran denke, was ich noch leisten kann, es könnte ja viel, viel schlechter sein.


Mein Weg

Ich für mich bin überzeugt, dass Sport und Bewegung an der frischen Luft das Beste sind, was ich für meine Gesundheit tun kann. Zusammen mit Ausdauer und Zähigkeit hilft es mir, Dinge zu überstehen und mich auch mit dem Thema Krankheit irgendwie zu arrangieren. Ich will noch erwähnen, dass ich nicht spritze – weil es mein Körper ablehnt und nicht verträgt. Ich wünsche mir, dass ich noch lange so aktiv sein kann, ich weiß ja nie, wann ich von den Erlebnissen mal zehren muss und mir nur die Erinnerung bleibt. Ich danke meinem Mann, der die vielen schönen Touren mit mir zusammen erlebt und der mir öfters sagt, dass wir das zusammen schaffen und mich so auch motiviert.


Wir wollten nochmal über die Alpen

Im Winter 2008 begann eine neue Idee zu wachsen. Nochmal über die Alpen, aber dieses Mal von München nach Meran. Acht Tage waren wir im Juni 2009 unterwegs, sechs Fahrradtage und zwei Pausentage dazwischen. Wir fuhren von München über den Brennerpass (das ging jetzt viel leichter beim 2. Mal) und danach den Jaufenpass (17 km stetig bergauf – drei Std. lang) dann hinunter nach Meran (14 km bergab) - eigentlich unser Ziel. Weil es so schön war ging es weiter über den Reschenpass (70 km, teilweise steil bergauf) und wieder zurück nach Innsbruck. Unsere Drei-Pässe-Tour - Drei Alpenpässe und 550 km – es waren wieder so viele Emotionen, Anstrengungen, Bergauf- und Bergabfahrten, nur Natur und schöne Gegend, traumhafte Ausblicke und schönes Wetter! Für mich vom Kopf her anders, da ja jetzt mit MS andere Voraussetzungen herrschten, aber sie beherrschten mich nicht – mir ging es gut, ich traute es mir zu und die positiven Erlebnisse gaben mir Kraft.



Es ist sicher kein Erfolgsrezept, das immer funktioniert. Wichtig ist, dass man es so oder anders machen will – nur dann ist es gut für den Körper. Der Wille und die Motivation sind unwahrscheinlich wichtig – wenn ich nicht unbedingt über die Alpen gewollt hätte, dann hätte ich es auch nicht geschafft.


Also – wenn es möglich ist - geht raus, bewegt euch, geht in die Natur und atmet die frische Luft ein, es regt die Durchblutung an und lüftet Gehirn und Geist. Es macht positive Gedanken. Es hilft in Situationen, wo man erkennen muss, dass man nie mehr so gesund sein wird, wie man es früher mal war – aber es stabilisiert die Gesundheit." ###



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